Herzlich Willkommen zum 5. Stork-Treffen!
Schön zu sehen, dass Ihr alle so zahlreich erschienen seid!!! Vielen Dank!
Der Sinn des heutigen Tages ist es, die Kinder zu feiern, die gleichzeitig sehen können, dass viele ohne einen Vater leben, und dass Ihr Mütter miteinander Kontakt aufnehmt und somit neue Netzwerke bildet.
Seit StorkKlinik 1999 erstmals ihre Türen öffnete, sind über 1750 Kinder geboren worden! Das sind ja unglaublich viele. Ist das nicht phantastisch?!
Mit der Öffnung von StorkKlinik 1999 war die Absicht verbunden, auf die Ungerechtigkeit des Verbotes für Alleinstehende und Lesbische zu fokussieren, denen es bis 2007 verboten war, inseminiert zu werden. Ich hatte mir vorgestellt, dass StorkKlinik ein halbes Jahr nach Eröffnung, durch ein neues Gesetz geschlossen werden würde. Glücklicherweise war dies nicht der Fall. Jedoch gab es eine große Debatte, Streiterei und Diskussionen, sowohl in der Presse als auch im dänischen Parlament.
Und genau das war ja die Absicht. Ich habe mir nie vorstellen können, dass ich hier 10 Jahre danach, hier vor euch allen stehen kann, mit einer gut gehenden geschäftigen Klinik.
Ich denke oft an alle diese fast 2000 Kinder. Wir haben in der Klinik und in der Presse getan was wir konnten, um diese Kraft und den Stolz, ein Teil von einem andersartigen Familiennetzwerkes zu sein, weitergeben zu können.
Und Ihr habt ganz sicher Grund stolz zu sein. Ihr habt den geltenden Normen/ Gesellschaftsnormen getrotzt, einige haben sogar ihren eigenen Familiennormen und Erwartungen getrotzt, um den Traum, eine alternative Familie realisieren zu können, Wirklichkeit werden zu lassen.
Unser eigener Sohn Oskar wird in 10 Tagen 10 Jahre alt. Eines der allerwichtigsten Dinge, die ich mir gewünscht habe, ihm geben zu können, ist gerade dieser Stolz. Dieser Stolz sollte gerne von da kommen, wo man in sich selber ruht und mit einem Glauben daran verknüpft sein, dass Oskar gerade so richtig ist, wie Oskar einfach ist. Aber auch ein Stolz darüber, aus einer ganz speziellen Familie zu kommen, die auf eine ganz spezielle Art ein Kind bekommen hat.
Eine vor kurzem veröffentlichte dänische Untersuchung hat gezeigt, dass Kinder von Lesbischen speziell robust sind. Der Vergleich mit der Kontrollgruppe von Kindern, die in heterosexuellen Familien mit Vater und Mutter geboren wurden, zeigt, dass das Risiko für Kinder von Lesbischen, mit dem psychiatrischen System in Berührung zu kommen, nur bei 2 % liegt. Bei Kindern aus so genannten gewöhnlichen Familien mit einem Vater, besteht das Risiko von 5 %. Das macht Schluss mit dem Mythos, dass Kinder mit lesbischen Eltern mehr verletzbar sind als andere Kinder… aber das haben wir ja immer schon gewusst!
Ziemlich sicher würde ich sagen, dass sich das Gleiche für Spenderkinder geltend macht, die von alleine stehenden Frauen geboren wurden. Uns sind ja im Laufe der Zeit nicht einfach x-beliebige Frauen in der Klinik begegnet. Oft sind es sehr zähe und starke Frauen, die tief und gründlich über ihre künftige Elternrolle nachgedacht haben.
Kürzlich sprach ich mit einer Freundin, die zwei hübsche adoptierte Kinder aus einem fernen Land hat. Zwei sehr hübsche und schöne Töchter hat sie. Sie erzählte mir, dass es zwischendurch auch sehr anstrengend sein konnte, sich allen möglichen dummen Fragen von Menschen ausgesetzt zu fühlen, die die Familie nicht so gut kennt.
Diese Problematik kenne ich ja eigentlich ziemlich gut.
Wenn unsere Spenderkinder z.B. erklären sollen, dass sie keinen gewöhnlichen Vater haben, sondern dass die Samenzellen von einem Spender kommen, hören viele Kinder, sogar von Pädagogen, den Satz: ”So ein Unsinn, ALLE KINDER HABEN JA EINEN VATER….” Dann kann es für ein kleines Kind frustrierend sein durch diese Mauer zu dringen, wenn es versucht zu erklären ”ich habe also keinen gewöhnlichen Vater wie alle anderen Kinder, und so ist das Leben nun einmal für mich“.
Unsere Situation als Regenbogenfamilie und selbst gewählte alleine stehende Mutter kann sehr leicht als erlaubte und zugängliche Zielscheibe für die Vorurteile Anderer benutzt werden. Einige Menschen bekommen eine gefühlsmäßige Reaktion, dass wir uns „erlaubt haben“ zu wählen, Kinder ohne einen Mann zu kriegen. Manchmal kann es einem sehr viel Energie abverlangen, Erklärungen zu geben und konstruktiv und entgegenkommend zu sein.
Ich habe einmal eine Situation erlebt, wo ich mit meinem Sohn Oskar zusammen bei einem Autohändler stand, um einen Wagen anzusehen. Oskar war noch sehr klein. Der nette Händler sprach mit uns und zeigte uns einen Wagen. Zuletzt schloss er das Gespräch ab mit der Bemerkung: kommen Sie gerne wieder, wenn Sie alles mit Ihrem Mann zu Hause besprochen haben…
Dann steht man da mit seinem Sohn an der Hand. Es sind viele Leute im Geschäft und keiner spricht miteinander. Nichts anderes steht im Raum als dieses Gespräch…
Manchmal ist es ja unweigerlich einfacher einfach zu sagen: ”ja, ja und aufwiedersehen”. Denn – ist es nun GERADE hier an einem Samstagnachmittag, beim Gebrauchtwagenhändler, wo man sein come-out hat und die ganzen privaten Familienverhältnisse erklären soll? IST es nicht zu beschwerlich? Und was geht eigentlich meine Familienverhältnisse einen zufälligen Autohändler und alle die anderen Kunden im Laden an? Ist es nun auch notwendig alles gerade hier erklären zu müssen?
JA, zum Teufel! Gerade das ist es. Natürlich genau wegen deinem Selbstrespekt. Weil, da IST ja kein Mann zu Hause, mit dem du irgendetwas diskutieren müsstest. Aber am aller wichtigsten – wegen der zukünftigen Selbstauffassung deines Kindes. Hier bekommst du nämlich die einzigartige Chance, den Keim zu legen für das Gefühl in deinem Kind, als ein ungewöhnlich glückliches Kind geboren worden zu sein.
Du hast die Chance dem Kind zu zeigen, wie man sich in einer Welt bewegt, die in den Augen anderer ausschließlich aus der Vater-Mutter-Kind Kombination besteht. Und du bekommst die Chance deinem Kind „LIVE“ zu zeigen, dass gar nichts komisch oder merkwürdig daran ist, dass wir zu Hause also auf eine andere Art wohnen.
Und diese Chance sollte ja nicht verspielt werden durch ein schlappes „ja, ja und auf wieder sehen“ an einen Händler und seine 10-20 Kunden, die da stehen und warten… - und zuhören.
Unsere Erklärungen, dass ”da jetzt kein Mann zu Hause ist, weil der kleine Oskar also in der glücklichen Situation ist, und ganze zwei Mütter hat“, oder wenn ich alleine stehend wäre: „dass klein Benjamin und ich keinen Mann im Hause haben, und von daher souverän selbst bestimmen, ob wir das eine oder das andere Auto haben wollen“; diese freundlichen Erklärungen sind ja genau das worin sich unsere Kinder spiegeln sollen. Und danach noch die 5-10 Mal in der Woche, wo sie selbst draußen in der Welt das Nicht-Existieren dieses Vaters und all das andere was sie anstelle dessen haben, erklären müssen.
Deswegen beschloss ich mich damals dafür, alle ‚dummen Fragen’ und ‚ungelegenen Kommentare’, wie vom Himmel geschickt, anzusehen. Und solchen merkwürdigen und witzigen Fragen war ich von allen Seiten reichlich ausgesetzt - sowohl von Journalisten und Politikern als auch von Taxifahrern usw.
Gerade hier ist es, wo wir uns selbst erklären dürfen und speziell unseren Kindern zeigen können, dass wir dazu stehen, wer wir sind, zu den Beschlüssen stehen, die wir getroffen haben und die Art wie wir damals Familie bildeten, gewählt haben.
- Also Welt … komm doch endlich mit einer Menge dummer Fragen und gib uns gerne noch mehr irritierende Bemerkungen, so dass wir gute Gelegenheiten haben, Missverständnisse aus der Welt zu schaffen und zu erklären, dass Familien viele Farben haben können. Die Leute wissen es ja nicht anders, wenn wir uns nicht wieder und wieder erklären.
Genau wie unsere Kinder ja in die Welt hinaus und sich erklären müssen, freundlich und entgegenkommend. Wenn wir anerkannt und respektiert werden wollen, gibt es keinen Weg drum herum. Und dann können wir ja genauso gut das Beste daraus machen, die „unangebrachten Bemerkungen“ dazu benutzen, und einen gemütlichen und erklärenden Schnack dabei herausbekommen.
Vielleicht seid ihr nicht damit einverstanden … habt vielleicht andere Erfahrungen gemacht? Redet heute darüber, es folgt eine Übung nach dem Mittagessen, die das gleiche Thema hat. ☺
Und dann hoffe ich, dass ihr z.B. das große Gemeinschaftsfoto was wir heute machen evtl. im Kindergarten, in der Schule oder bei anderen Gelegenheiten zeigen werdet, wo es relevant ist, und erzählen könnt, dass es also richtig viele Kinder gibt, über 1700, die ohne einen Vater aufwachsen. Und wenn auch euer Kind vielleicht das einzige in der Gruppe sein sollte, das keinen Vater hat.
Der heutige Tag ist ja dafür da, euch die Möglichkeit zu geben, einander kennen zu lernen und neue Kontakte zu schaffen. Versprecht mir, sowohl Kinder als auch Mütter, wenn ihr ein paar nette Leute seht… geht hin zu ihnen und redet mit ihnen! Fragt nach deren Kindern oder was euch sonst einfallen mag. Haltet euch nicht zurück Kontakt aufzunehmen. Genau deswegen sind wir ja heute hier.
MITTAGSÜBUNG
Stellt euch mit euren Kindern im Kreis einander vor, erzählt wo ihr herkommt und erzählt über eure eigenen Erfahrungen mit ”dummen Fragen” von Leuten, die es nicht besser wissen, und wie ihr mit den Situationen fertig geworden seid. Ich glaube, dass wir uns alle schon einmal in komischen oder schwierigen Situationen befunden haben. Sorgt dafür, dass alle Redezeit bekommen, also ihr habt eine gemeinsame Verantwortung dafür, dass alle drankommen.
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