Stork Klinik
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Die Geschichte der StorkKlinik

Über die Beweggründe für die Eröffnung einer umstrittenen Klinik

Ab dem 1. Oktober 1997 wurde es den Ärzten in Dänemark per Gesetz verboten, unverheiratete Frauen oder Frauen, die nicht mit einem Mann zusammenleben, zu inseminieren. Das Gesetz bedeutete, dass alleine stehende und lesbische Frauen sich mit ihrem Elternwunsch nicht länger an private Fertilitätskliniken wenden konnten.
 
Storkklinik öffnet
Zum Glück betraf das Verbot nur Ärzte und daher konnte ich, Nina Stork, als Hebamme am 6. Oktober 1999 StorkKlinik eröffnen. Ab da war es erneut für lesbische und allein stehende Frauen rechtlich möglich mit Spendersamen von anonymen ärztlich untersuchten und krankheitsgetesteten Spendern inseminiert zu werden.

Mehrmals zur Diskussion
Die Existenz und die Zukunft der Klinik ist mehrmals im dänischen Parlament debattiert und zweimal als Gesetzesvorschlag behandelt worden.
Beide Male brachten die Christlichen (Kristelig Folkeparti) einen Gesetzesentwurf ein, der damals die Existenz der StorkKlinik verbieten hätte können.
Im Mai 2000 stimmte eine Mehrheit im Parlament dafür, die Klinik zu schlieβen, der Beschluss wurde aber von den Sozialdemokraten, die damals die regierende Partei war, zwei Tage später zurückgezogen.

Leider lagen die Beweggründe dafür nicht darin, dass sie sich um lesbische und alleine stehende Frauen sorgten, denen der Zugang zur künstlichen Befruchtung verweigert werden würde, sondern einzig darin, dass dadurch ganz unerwartet eine Mehrheit entstand, die für Selbstzahlung für alle Formen von  künstlicher Befruchtung in Dänemark einging. Dies wollten die Sozialdemokraten nicht auf sich sitzen lassen.

2002 bekam Dänemark eine neue bürgerliche Regierung und der gleiche Gesetzesentwurf wurde von den Christlichen erneut eingebracht, in der Hoffnung StorkKlinik nun endgültig schlieβen zu können. Zur Überraschung und Freude vieler gab es jetzt eine groβe Mehrheit dafür, dass die Möglichkeit alleine stehender und lesbischer Frauen auf eine gesundheitlich verantwortliche Weise behandelt zu werden, bewahrt werden konnte. Und StorkKlinik war somit in der Lage, ihre Arbeit fortzusetzen. Eine groβe Erleichterung für viele.

Es war sehr interessant zu beobachten, welche Politiker jeweils dafür oder dagegen stimmten. Eine apartheid-ähnliche Einstellung dazu, welche Menschen die Möglichkeit haben sollen, sich eine verantwortungsbewusste Möglichkeit schwanger zu werden, erkaufen zu können, hat nicht immer mit Parteifarbe zu tun. So genannte linke Politiker stimmten für eine Schlieβung der Klinik und mehrere bürgerliche Politiker stimmten für die Existenz neuer Familienformen und umgekehrt.

Offene Debatte über unangemessene Verhältnisse
Das Faktum, eine so umstrittene Klinik eröffnet zu haben, setzte vom ersten Tag im Oktober 1999 an eine wichtige Debatte in der Presse und bei den Politikern in Gang. Mein Motiv war es, die unangemessene Unterschiedsbehandlung, welche Frauen ohne Mann ausgesetzt sind, zu beleuchten. Die gesamte skandinavische Presse hat, ohne Ausnahme, positiv reagiert.

Um Haltungen zu verändern, bedarf es Haltungen.
Daher nehme ich aktiv teil an öffentlichen Debatten, in denen es um Rechte und Möglichkeiten aller Frauen geht, gleichwertig vom Gesundheitssystem behandelt zu werden.

Am 1. Januar 2007 wurde Ärzten in Dänemark wieder erlaubt alleine stehende und lesbische Frauen zu inseminieren
Dies gelang aufgrund einer generellen Haltungsänderung in der dänischen Bevölkerung und bei den Politikern im Parlament. Eine solche Haltungsänderung geschieht nicht von alleine.
Der Lesben- und Schwulen-Verband in Dänemark hat in den 10 Jahren wo es Ärzten im Lande  verboten war, Frauen ohne einen Mann eine Fertilitätsbehandlung zu geben, stabil und unverdrossen gekämpft.

Den Mut zu kämpfen
Eine weitere wichtige Rolle bei dieser Haltungsbearbeitung sowohl für Dänemark als auch für den Rest von Skandinavien haben ALLE DIE FRAUEN gespielt, die wir in der Klinik inseminiert haben. Sie haben den Mut und die Energie dazu gehabt, sich den Medien zu stellen in Film, Radio, TV, Zeitungen, Frauenzeitschriften usw.
Frauen, die sich getrauten ja zu sagen in den Medien aufzutreten, wenn ich sie anrief oder sie anschrieb.

Ein riesiges Dankeschön
Ich möchte gerne ein riesengroβes DANKE an all diejenigen richten, die der skandinavischen und nordeuropäischen Presse ein Stück ihrer Seele zur Verfügung gestellt haben. Es erfordert seine Frau, sein Leben und seine Kinder öffentlich zu präsentieren, so dass „Herr und Frau gewöhnliche Familie“ sehen können, dass wir nicht so gefährlich sind, obwohl unsere Familie so anders ist, und am wichtigsten: dass es unseren Kindern genauso gut geht wie allen andern Kindern.

Ohne eure Freigebigkeit der Presse und der Sache gegenüber glaube ich nicht, dass diese Haltungsänderung so relativ schnell geschehen wäre.

Nina Stork